Abenteuer reisender Frauen

Abenteuer reisender Frauen – Armin Strohmeyr

 

Abenteuer reisender Frauen – 15 Porträts – Armin Strohmeyr

Neue Welt – neue Berufe: Konquistadorin und Piratin

Das Buch „Abenteuer reisender Frauen“ zieht einen großen Bogen durch die Jahrhunderte und beginnt mit der schon fast skurril anmutenden Geschichte der Catalina de Erauso, die zu Beginn des 17. Jahrhunderts als fünfzehnjähriges Mädchen aus einem spanischen Kloster flieht, schließlich im Peru der Konquistadoren landet, sich als Mann verkleidet den spanischen Truppen anschließt, so quasi ihr ganzes Leben verbringt und lange verborgen bleibt.



In späteren Jahren reist sie zurück nach Europa und erhält bei einer Audienz mit dem Papst die nicht selbstverständliche Erlaubnis auch weiterhin Männerkleidung zu tragen.

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Ähnlich exotisch sind die Lebensbeschreibungen von Mary Read und Anne Bony die zu Beginn des 18. Jahrhunderts in karibischen Gewässern kreuzend, dem Piratenhandwerk nachgingen. Bis sie von der britischen Obrigkeit geschnappt wurden…

   




In einigen Fällen sind es unglückliche Liebesgeschichten oder zwischenmenschliche Tragödien in der prüden Heimat, die die Frauen geradezu zwingt, sich auf Reisen zu begeben, um so den peinlichen Nachstellungen ihrer Mitmenschen zu entgehen.

Manche der Reisen in „Abenteuer reisender Frauen“ ist deshalb eher als Flucht zu verstehen.
Die Herzogin Hortense de Mazzarin (1646-1699), die Nichte des gleichnamigen Kardinals, wäre da zu nennen, aber auch Lady Jane Ellenborough (1807-1881), die es schließlich bis ins orientalische Damaskus verschlug.

Ida Pfeiffer – Eine Globetrotterin aus Wien

Die erste „Reisende aus Leidenschaft“, die in dem Buch „Abenteuer reisender Frauen“ erwähnt wird, ist Ida Pfeiffer, 1797 als Tochter eines Baumwollfabrikanten geboren. Eine Hausfrau aus dem Wien der Biedermeierzeit. In gesellschaftlichen Zwängen gefangen, wurde sie, wie das zu der Zeit üblich war, aus „Vernunftsgründen“ verheiratet und bekam mehrere Kinder.

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Ausbruch aus der Konvention

1842 im Alter von 45 beginnt sie ihre erste Reise, die sie per Schiff die Donau hinab, bis nach Konstantinopel und schließlich weiter nach Jerusalem führt. Sie besichtigt das heilige Land und seine Stätten. Anstatt jetzt aber umzukehren beschließt sie Damaskus zu besuchen, das sie nach einem Wüstenritt durch Syrien auch erreicht. Wieder zurück in Beirut, nimmt sie ein Schiff nach Alexandria, besichtigt Kairo und die Pyramiden von Gizeh.
Nach neun Monaten kehrt sie schließlich nach Wien zurück. 1844 veröffentlicht sie ihr erstes Buch „Reise einer Wienerin in das heilige Land“.

Nordlandfahrt und erste Weltumrundung

Ihre zweite Reise führt sie 1845 über Kopenhagen nach Island und zurück über Norwegen und Schweden nach Wien. Ein zweites Buch erscheint.
1846 beginnt sie dann ihre erste Weltumrundung, die sie ins Kaiserreich Brasilien, um Kap Horn herum durch den Pazifik nach Tahiti, nach China, über Ceylon nach Indien. Den Subkontinent durchquert sie nachdem sie Madras und Kalkutta besucht hat auf dem Landweg bis nach Bombay.

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Wieder per Schiff reist sie von Indien nach Arabien, den Fluß Schatt al-Arab, der aus dem Zusammenfluss von Euphrat und Tigris entsteht, hinauf bis nach Bagdad. Wieder auf dem Landweg reist sie durch Kurdistan über das persische Täbris, durch Armenien bis an die Küste des schwarzen Meeres.
Von hier aus geht es per Schiff über Konstantinopel nach in die Adria nach Triest und schließlich erreicht sie nach zweieinhalb Jahren Abwesenheit ihre Heimatstadt Wien. Wieder folgt eine Publikation.

Die zweite Weltumrundung der Ida Pfeiffer

1851 bricht Ida Pfeiffer zu einer zweiten Weltumrundung auf. Sie ist jetzt 53 Jahre alt und besucht unterwegs den malaiischen Archipel mit Borneo, Hava und Sumatra.

Sie watet durch Sümpfe, besteigt Vulkane und besucht berüchtigte Kopfjägerstämme. Sie erreicht Nordamerika, zur Zeit des kalifornischen Goldrausches, dann geht es nach Süden über Panama und wieder nach Norden den Mississippi aufwärts.

Nachdem sie auch die Niagarafälle besichtigt hat, fährt sie zurück nach New York und dann über die Azoren und Lissabon nach Europa und schließlich nach Wien.

Zwei Jahre hat diese zweite Weltumrundung gedauert. 1856 erscheint das entsprechende Buch.

Madagaskar, Gefangenschaft, Krankheit, Tod

1856 beginnt Ida Pfeiffer ihre letzte Reise. Sie will um Afrika herum über Madagaskar nach Australien. In Madagaskar gerät sie allerdings in politische Unruhen und wird als Ausländerin festgenommen.

Während der fast zwei Monate dauernden Gefangenschaft, erkrankt sie an Malaria und muss ihre Reise schließlich abbrechen. Sie erreicht Wien im Herbst 1858. 2 Monate später stirbt sie an den Folgen der Tropenkrankheit im Alter von 63 Jahren.

Forschungsreisende Frauen

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Eine Generation später sind es eher wissenschaftlich interessierte Frauen, die sich auf den Weg ins Unbekannte machen. Jede der drei Frauen Therese von Bayern (1850-1925), Mary Kingsley (1862-1900) und natürlich Alexandra David-Néel (1868-1969) hat sich als Forschungsreisende hervorgetan und jeder von ihnen ist in „Abenteuer reisender Frauen“ ein eigenes Kapitel gewidmet.

Therese von Bayern

Betrachtet man diese Frauen vor ihrem gesellschaftlichen Hintergrund, dann sticht vor allem Therese von Bayern, eine Prinzessin des bayrischen Hofes aus dem Hause Wittelsbach hervor, für die es vermutlich am schwersten war, sich aus ihrem familiären Kontext zu lösen, wenngleich sie die am besten gefüllte Reisebörse gehabt haben dürfte.

Sie betrieb botanische und zoologische Studien und sammelte umfangreiches ethnologisches Material.
Dass sie zu Pferd und Maultier die südamerikanischen Anden über- und danach den gesamten Kontinent durchquerte, sei nur am Rande erwähnt.

Mary Kingsley

Mary Kingsley bereiste die westafrikanische Küste bis weit ins Landesinnere und lieferte hier wertvolle Beiträge zur Erforschung von Flora und Fauna. Sie besuchte äußerst unzugängliche Gebieten inmitten von damals noch kannibalischer Eingeborener.

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Ein trockener, wohl britischer Humor spricht aus ihren Texten, wenn sie schreibt:

„Fünfundsiebzig  Prozent der westafrikanischen Insekten stechen, fünf Prozent beißen und der Rest ist entweder dauerhaft oder zeitweise für die menschliche Rasse parasitär. Und zweifellos ist eines der schlimmsten Dinge, die man in Westafrika tun kann, irgendeine Notiz von einem Insekt zu nehmen. Wenn sie etwas sehen, das wie eine Kreuzung zwischen einem fliegenden Hummer und der Figur eines Abraxas auf einer gnostischen Gemme aussieht, so schenken sie dem keinerlei Aufmerksamkeit, egal wo es ist; bewahren sie einfach Ruhe und hoffen Sie, dass es verschwinden möge – denn das ist ihre beste Chance; Sie haben dagegen keine, wenn Sie einen offenen Kampf suchen.“

Alexandra David-Néel

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Und dann gibt es natürlich auch ein Kapitel über Alexandra David-Néel, die als erste Europäerin die verbotene Stadt Lhasa im verschlossenen Tibet erreichte, in „Abenteuer reisender Frauen“. Alexandra David-Neel hat zahlreiche Reisepublikationen hinterlassen.

Das bekannteste Buch von Alexandra David-Neél dürfte  „Mein Weg durch Himmel und Höllen – das Abenteuer meines Lebens“ sein, in dem sie die beschwerliche Wanderung von China aus, durch den Himalaja und das tibetanische Hochland beschreibt. Sie unternahm diese Reise als tibetische Pilgerin  verkleidet in Begleitung ihres Adoptivsohnes Yongden.

Alexandra David-Néel wurde wegen ihrer Studien  des tibetischen Buddhismus, die sie in langen Aufenthalten in tibetischen Klöstern betrieb, in den Stand eines Lama berufen.

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Porträts von Audrey Hepburn (Filmaufnahmen in Afrika), Agatha Christie (Reise im Orientexpress) und Leni Riefenstahl (Fotografische Dokumentation der Nuba in Afrika) schließen das Buch „Abenteuer reisender Frauen“ ab.

Fazit

Ein großer Teil der Veröffentlichungen Armin Strohmeyrs sind Biographien oder Portraitsammlungen. Letzteres gilt auch für das Buch „Abenteuer reisender Frauen“, das sich nicht nur mit den Reiseerlebnissen, der von Armin Strohmeyr ausgewählten Frauen beschäftigt.
In vielen Fällen ist der Schwerpunkt des Buches eindeutig auf die biographische Beschreibung der behandelten Person gelegt. Natürlich sind die beiden Teile nicht immer eindeutig zu  unterscheiden. Aber nicht alle diese Frauen führten ein durchwegs abenteuerliches Leben. Manch eine verbrachte einen großen Teil davon in der ihr von Familie und Gesellschaft aufgezwungenen Position, bis sie sich durch unterschiedliche Erlebnisse ausgelöst, daraus befreien konnten.

Das Buch ist ein prima Einstieg, für jeden der einen Überblick über das Thema bekommen will. Die jedem Porträt hinzugefügten Literaturquellen führen dann weiter zu den Originalveröffentlichungen der einzelnen Frauen oder zu tiefergehender Sekundärliteratur.

Weiterführendes:

Die Webseite des Autors von „Abenteuer reisender Frauen“ >>> Armin Strohmeyer


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2 Gedanken zu „Abenteuer reisender Frauen – Armin Strohmeyr“

  1. Wie spannend, tolle Geschichten.
    Das klingt für mich nach einem wirklich lesenswerten Buch.
    Danke für die Einführung!

    Ganz liebe Grüße

    1. Hallo Carolin, es freut mich sehr, dass Dir der Artikel gefällt. Das Buch hat mir einige interessante Persönlichkeiten näher gebracht. Mit Alexandra David-Neél habe ich weitergemacht. Aber besonders interesiert mich Ida Pfeiffer. Ich hoffe, dass ich bald dazu komme eines ihrer Bücher zu lesen.

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