Das Alte Mexiko und seine Hochkulturen – Ulrike Peters

 

So werde ich also gehen müssen, wie die Blumen verwelken?
Nichts wird übrig bleiben von meinem Namen?
Bleibt keine Erinnerung an mich auf dieser Erde?
Wenigstens Blumen, wenigstens Gesang!
Cantares Mexicanos  (ca. 1430 -1519)

Mit diesem Zitat aus den „Mexikanischen Gesängen“ beginnt Ulrike Peters das Kapitel „Blume und Gesang“ über die Dichtkunst der Azteken. Dies ist ein schönes Beispiel dafür in welcher Bandbreite die Autorin die Hochkulturen des alten Mexiko in ihrem Buch beschreibt. Denn abgesehen davon, dass die meisten Leute zwar Kenntnisse von Maya und Azteken haben, denkt man in diesem Zusammenhang doch in erster Linie an die bekannten  riesigen Pyramidenbauten, die uns diese beiden Kulturen hinterlassen haben.

Weitgehend unbekannt dürfte den meisten Leuten die Existenz einer ganzen Zahl anderer früher Hochkulturen in Mittelamerika sein, die ebenfalls Schriftsysteme  und Kalender kannten und die Steinmonumente oder Kunstgegenstände hinterlassen haben.

   

Das in dem Buch besprochene Gebiet des „alten Mexiko“  umfasst große Teile des heutigen Mexiko, Belize, Guatemala, Honduras und San Salvador.

Vorzeit in Mexiko – Jäger und Sammler

Ulrike Peters spannt einen Bogen von den Anfängen in grauer Vorzeit, wo Funde die Existenz von Menschen in Mesoamerika bereits um 30000 v. Chr. nachweisen, bis in die Zeit nach der Conquista, aus der die meisten schriftlichen Zeugnisse über die von den Spaniern angetroffenen Kulturen existieren.

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Die wichtigste Errungenschaft, die es den Menschen des alten Mexikos ermöglichte die Hochkultur zu entwickeln war die Entdeckung der Landwirtschaft.
Mais wurde etwa ab 5000 v. Chr. domestiziert. Die dadurch, im Vergleich  zu den bis dahin vorherrschenden Jägerkulturen verbesserte Nahrungssituation ermöglichte schließlich das Erscheinen komplexer Gesellschaften.

Maisanbau – Übergang zur Sesshaftigkeit

Die nach dem  Übergang zur Sesshaftigkeit sich vollziehende Entwicklung ist um so erstaunlicher, wenn man berücksichtigt, dass sich die Völker Mesoamerikas bis zur Ankunft der Spanier im 16. Jhd. auf der Stufe einer Steinzeitkultur befanden. Obwohl ihnen weiche Metalle wie Kupfer und Gold bekannt waren stellten sie daraus nur Schmuck oder Gegenstände für kultische Tätigkeiten, aber keine Werkzeuge des täglichen Bedarfs her.
Das gebräuchliche Material für Werkzeuge aller Art war der Obsidian, ein harter, scharfkantiger Stein vulkanischen Ursprungs, Sie nutzten auch das Rad nicht, obwohl sie es kannten. Ihre Keramiken wurden ohne Töpferscheibe gefertigt. Da es auch keine domestizierten Tragtiere gab, wurden alle Waren auf dem Rücken von menschlichen Träger  und zu Fuß transportiert. Wo es möglich war, waren natürlich Kanus in Gebrauch.

Der Anfang der Hochkulturen – die Olmeken

Die erste der Kulturen, die aus dem Dunkel der Geschichte auftaucht ist dann die Kultur der Olmeken. Das Erscheinen der Olmeken, quasi aus dem Nichts, markiert die Phase der Vorklassik, die eine Zeitspanne von fast 2000 Jahren zwischen 1500 v.Chr. und 300 n.Chr. umfasst.
Die Forscher sind sich einig, dass die Olmeken  einen großen Einfluß auf die späteren Hochkulturen hatten.
Bekannt sind die Olmeken vor allem durch ihre riesigen Steinplastiken, aber besonders wegen der gigantischen Steinköpfe, deren Gesichtsformen  zu allerlei Spekulationen über mögliche Seeverbindungen zwischen Afrika und Mittelamerika angeregt haben. Eine rein spekulative Theorie, für die es bisher keinen einzigen Beweis gibt, was im Übrigen genauso für Besuche von Wikingern, Phöniziern, Chinesen etc. in Mesoamerika gilt. Die Steinköpfe lassen sich heute bequem im La Venta Freilichtmuseum in Villahermosa betrachten.

Multikulturelle Metropole – Teotihuacan

Teotihuacán ist dann die erste Metropole in Mexiko. Etwa 150 v. Chr. beginnt die eigentliche Stadtentwicklung. Die Blütezeit dieser in der Nähe des heutigen Mexico City liegenden Stadt lag in der klassischen Periode.
Teotihuacán war eine multi-ethnische Handelsmetropole und ein Kultzentrum. Die heute von Touristen gut besuchte Stadt mit ihren gigantischen Pyramiden, hatte zeitweilig bis zu 200.000 Einwohner.

Die Atlanten in Tula - Das Alte Mexiko und seine Hochkulturen - Ulrike Peters
Die Atlanten in Tula – Das Alte Mexiko und seine Hochkulturen – Ulrike Peters

Nur etwa 5% des Gebietes sind für Touristen zugänglich. Bekannteste Bauwerke sind die Sonnen- und Mondpyramide an der Straße der Toten. Teotihuacán kontrollierte weite Teile Zentralmexikos und hatte Einfluß bis nach Honduras.
Um 550 n .Chr. fiel das Zentrum Teotihuacans einem Brand  zum Opfer, in dessen Folge die Stadt allmählich von ihren Bewohnern verlassen wurde.

Oaxaca – Zapoteken und Mixteken

Zwei weitere, eher wenig bekannte Kulturen teilten sich das Gebiet um Monte Albán im mexikanischen Staat von Oaxaca.
An erster Stelle sind die Zapoteken zu nennen,  Diese sind als eigenständige Kultur ab 1600 v. Chr. nachzuweisen. Ab 500v. Chr. entwickelte sich Monte Albán zum beherrschenden Zentrum in Oaxaca. Man kannte Schrift und Kalender und genauso wie Teotihuacan war Monte Alban ein multi-kulturelles Zentrum.

Ab 500 nach Chr. treten neben den Zapoteken die aus dem Gebiet der Mixteca stammenden Mixteken in Monte Alban in Erscheinung beide existieren etwa 700 Jahre nebeneinander.
1200 n. Chr. wurde Monte Alban verlassen, stattdessen blühten jetzt rein mixtekische Städte wie etwa Mitla auf.
Die Blütezeit der Mixteken war die Zeit der Postklassik ab 950 n.Chr. und dauerte bis zur spanischen Eroberung 1520 an.

Die Golfküste – Totonaken und Huasteken

Eher unbekannt sind die Kulturen der Golfküste, die Totonaken in El Tajín und die Huasteken. Bekanntestes Bauwerk, das die Totonaken hinterlassen haben ist die stufenförmige Nischenpyramide von El Tajín.  Zwischen 200 n. Chr und 950 n. Chr.  wurde diese Tempelanlage von den Totonaken genutzt. 11 Ballspielplätze zeigen, dass das Ballspiel einen hohen Stellenwert einnahm.
Bei den Huasteken handelt es sich um einen schon früh abgespaltenen Teil der Maya. Man nimmt an dass sich die Trennung schon etwa um 1300 v.Chr vollzogen hat.

Übersichtskarte über das Gebiet der Mayakulturen - Das Alte Mexiko und seine Hochkulturen - Ulrike Peters
Übersichtskarte über das Gebiet der Mayakulturen – Das Alte Mexiko und seine Hochkulturen – Ulrike Peters

Die Westküste – Tarasken und Colimastil

Ein eigenes Kapitel ist der Westküste Mexikos gewidmet. Hier konnte man zahlreiche schon in der Zeit der Präklassik anzusiedelnde Kulturen identifizieren. Archäologisch ist die Westküste noch immer ein weißer Fleck. Bauten und Stadtanlagen wurden bisher keine gefunden. Die meisten Funde sind Keramiken und Figuren und stammen aus Raubgrabungen, die man keinem spezifischen Ort zuweisen kann. Auf Grund der Stilunterschiede lassen sich aber Epochen und auch Gruppen unterscheiden. Der Colima-Stil, die Kulturen von Chupícuaro und die Tarasken seien hier genannt.

Tolteken in Tula

Die Kultur der Tolteken ist maßgeblich mit vier Orten verbunden. Cholula, das bereits während der Zeit Teotihuacáns in der Klassik seine Blütezeit erlebte, Cacaxtla und Xochicalco, die ihre Bedutung gegen Ende dieser Periode etwa zwischen 700 und 900 n. Chr. erreichten und Tula, das zwischen 950 n.Chr. und 1150 n. Chr. in der Spätklassik seinen Zenit erreichte. Etwa zu gleichen Zeit erschienen dann auch die Azteken auf der Bildfläche.
Allen Orten gemeinsam ist, dass sich hier Heiligtümer des Gottes Quetzalcoatl befinden. Eine besondere Beziehung findet sich zwischen Tula und der Mayastadt Chichen Itzá im nördlichen Yucatan. Neben einer teilweise identischen  Architektur, finden sich in Chichen Itzá auch Symbole, deren Ursprung auf Tula schließen lässt.

Die Maya

Im weiteren Verlauf betraten am Ende der Frühklassik die Maya die Weltbühne. Ihren Anfang scheint die Kultur im guatemaltekischen Hochland genommen zu haben, um sich dann während der klassischen Periode über das südliche Tiefland zu verbreiten.

Zum Abschluß entstanden in der Spätklassik mit Mayapan und Chichen Itzá die großen Mayastädte der nördlichen Yucatanhalbinsel. Die genaue Zahl der von den Maya gegründeten Siedlungen ist unbekannt, geht aber in die tausende, die zu einem großen Teil noch ihre Entdecker warten.

Nach dem Niedergang der klassischen Städte um 900 n. Chr. herum wurden die Mayastädte vom Dschungel überwuchert.
Nur die nördlichen Städte engingen dem Untergang und bildeten auch  noch bei der Ankunft der Spanier funktionierende Gemeinwesen.

Zahlreiche steinerne Inschriften, in der für die Maya typischen Bilderschrift, sind erhalten. Seit den 1980er Jahren macht die Entzifferung große Fortschritte, so dass die Forschung allmählich einen zumindest groben uwenn auch lückenhaften  Überblick über die Könige und Dynastien der Stadtstaaten erhält.

Beispielseite - Liste der wichtigsten aztekischen Gottheiten im Überblick - Das Alte Mexiko und seine Hochkulturen - Ulrike Peters
Beispielseite – Liste der wichtigsten aztekischen Gottheiten im Überblick – Das Alte Mexiko und seine Hochkulturen – Ulrike Peters

Die Azteken

Die letzte Ethnie, die in Mesoamerika vor der Ankunft der Spanier in Erscheinung tritt sind die Azteken. Sie gründeten ihre Hauptstadt Tenochtitlan um 1325. Das Reich der Azteken war ein wahrer Flickenteppich von Stadtstaaten, die tributpflichtig waren und sich mit anderen Städten, die noch unabhängig waren, abwechselten. Ihr Einfluß erstreckte sich weit nach Norden und Süden. Als die Spanier Tenochtitlan im Jahre 1520 eroberten hatte das Aztekenreich noch nicht einmal 200 Jahre Bestand gehabt.

Zusätzlich zu den bisher erwähnten Hochkulturen, deren geschichtlicher Werdegang und deren Kultur beschrieben werden,  werden in dem Buch von Ulrike Peters auch spezielle Themen, wie Religion und Kult im Detail beleuchtet. Auch  aktuelle Phänomene, wie „Die Maya und die Esoterik“ finden ihren Raum. Oder  eben auch die Anfnags erwähnte Dichtkunst der Azteken.

Fazit

Jedem an den alten mesoamerikanischen Kulturen Interessierten kann man dieses Buch wärmstens empfehlen. Selten findet man das Thema so ansprechend und strukturiert beschrieben, wie in „Das alte Mexiko und seine Hochkulturen“.

Das 2015 im Marixverlag erschienene Buch umfasst etwa 250 Seiten und enthält die üblichen Register zur Literatur. Verschiedene Karten, Tabellen und einige wenige Abbildung in schwarz-weiß ergänzen das Werk. Nur ein Schlagwortregister fehlt leider.

Was auf den ersten Blick wie ein Nachteil aussieht, entpuppt sich schnell als Vorteil. Dank des Verzichtes auf Farbe und zusätzliche Abbildungen ist das Buch nicht nur preislich ein Leichtgewicht.  Man kann es problemlos in jeden Rucksack stecken und auf einer Reise durch das hier besprochene Gebiet mitnehmen – sofern man nicht die eBook-Variante bevorzugt.

Bei der eBook-Ausgabe hätte man dann allerdings leicht auf die eher spartanische Ausstattung verzichten  und zumindest hochauflösende Bilder, die sich auf einem Tablet vergrößern lassen,  verwenden können. Am besten dann natürlich in Farbe.

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