Sechs lustige Reisegedichte

 

Weil gestern der Welttag der Poesie war und ich ihn glatt verpasst habe, schiebe ich heute fünf kleine Reisegedichte zum Thema Reise nach, die hoffentlich die Zeit bis zum nächsten Artikel etwas verkürzen.

Sie stammen natürlich von den besten Poeten, die das Volk der Dichter und Denker hervorgebracht hat!

Heinz Erhardt, Wilhelm Busch und Eugen Roth.

   
Carl Spitzweg - Der Schmetterlingsfänger - 1840
Carl Spitzweg – Der Schmetterlingsfänger – 1840 – Quelle: Wikipedia

Urlaub im Urwald (von Heinz Erhardt)

Ich geh‘ im Urwald für mich hin …
Wie schön, dass ich im Urwald bin:
man kann hier noch so lange wandern,
ein Urbaum steht neben dem andern.
Und an den Bäumen, Blatt für Blatt,
hängt Urlaub. Schön, dass man ihn hat!

Reisegedanken (von Wilhelm Busch)

“Eins, zwei, drei, im Sauseschritt
läuft die Zeit, wir laufen mit.
Schaffen, schuften, werden älter,
träger, müder und auch kälter,
bis auf einmal man erkennt,
 dass das Leben geht zu End’.

Viel zu spät begreifen viele
die versäumten Lebensziele,
Freunde, Schönheit der Natur,
Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise!
Höchste Zeit ist’s! Reise, reise!”


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Nach der Reise (von Eugen Roth)

Nach wochenlangem Weltdurchschweifen
Bräucht manches Zeit, um nachzureifen.
Was, grün gepflückt vom Urlaub-Baum,
Getrieben hat die Blüten kaum,
Geschweige denn die süße Frucht.
Doch in des Jahres rascher Flucht
Verwelkt der Reise frisches Reis –
Vergebens legst Du es aufs Eis,
Begießt es mit Erinnerung –
Im Alltag wirds nicht wieder jung.
Du machst verzweifelte Versuche,
Aus Deinem Reisetagebuche
Noch köstlichen Gewinn zu ziehn. –
Die Tage, Wochen, Monde fliehn.
Hast Du nicht Bilder auch gemacht
Und schwarz auf weiß nach Haus gebracht,
Ja, selbst in Farben bunt getaucht,
Was man nur zu entwickeln braucht?
Du schwörst, die längst zu viel gewordnen
Aufnahmen demnächst schön zu ordnen –
Jedoch Du findest keine Ruh:
Schon treibst Du neuen Reisen zu!
Ein Umbruch kommt, ein Krieg dazwischen,
Die Einzelheiten sich verwischen –
Als letzten Rest wirst Du bewahren:
„Da war ich auch – vor dreißig Jahren!“

Der Urlaub (von Eugen Roth)

Ein Mensch, vorm Urlaub, wahrt sein Haus,
Dreht überall die Lichter aus.
In Zimmern, Küche, Bad, Abort-
Dann sperrt er ab, fährt heiter fort.
Doch jäh, zu hinterst in Tirol,
Denkt er voll Schrecken: „Hab ich wohl?“
Und steigert wild sich in den Wahn,
 Er habe dieses nicht getan.
Der Mensch sieht, schaudervoll, im Geiste,
Wie man gestohlen schon das meiste,
Sieht Türen offen, angelweit.
Das Licht entflammt die ganze Zeit!
Zu klären solchen Sinnestrug,
Fährt heim er mit dem nächsten Zug
Und ist schon dankbar, bloß zu sehn:
Das Haus blieb wenigstens noch stehn!
Wie er hinauf die Treppe keucht:
Kommt aus der Wohnung kein Geleucht?
Und plötzlich ist`s dem armen Manne,
Es plätschert in der Badewanne!
Die Ängste werden unermessen:
Hat er nicht auch das Gas vergessen?
Doch nein! Er schnuppert, horcht und äugt
Und ist mit Freuden überzeugt,
Daß er – hat er`s nicht gleich gedacht?-
Zu Unrecht Sorgen sich gemacht.
Er fährt zurück und ist nicht bang.-
jetzt brennt das Licht vier Wochen lang.

Gedicht von Eugen Roth

Der Urlaub ist erholsam meist
nicht nur für den, der in ihn reist.
Auch den, der da bleibt, freut die Schonung,
die er genießt in stiller Wohnung.
So zählen zu den schönsten Sachen
oft Reisen, welche andre machen.

Der Urlaub

Ein Mensch, vorm Urlaub, wahrt sein Haus,
Dreht überall die Lichter aus.
In Zimmern, Küche, Bad, Abort-
Dann sperrt er ab, fährt heiter fort.
Doch jäh, zu hinterst in Tirol,
Denkt er voll Schrecken: „Hab ich wohl?“
Und steigert wild sich in den Wahn,
Er habe dieses nicht getan.
Der Mensch sieht, schaudervoll, im Geiste,
Wie man gestohlen schon das meiste,
Sieht Türen offen, angelweit.
Das Licht entflammt die ganze Zeit!
Zu klären solchen Sinnestrug,
Fährt heim er mit dem nächsten Zug
Und ist schon dankbar, bloß zu sehn:
Das Haus blieb wenigstens noch stehn!
Wie er hinauf die Treppe keucht:
Kommt aus der Wohnung kein Geleucht?
Und plötzlich ist`s dem armen Manne,
Es plätschert in der Badewanne!
Die Ängste werden unermessen:
Hat er nicht auch das Gas vergessen?
Doch nein! Er schnuppert, horcht und äugt
Und ist mit Freuden überzeugt,
Daß er – hat er`s nicht gleich gedacht?-
Zu Unrecht Sorgen sich gemacht.
Er fährt zurück und ist nicht bang.-
jetzt brennt das Licht vier Wochen lang.

Eugen Roth

Das sollte für heute reichen. Mehr Sprüche, Aphorismen und auch Gedichte zum Thema Reisen findest Du hier unter „>>> Sprüche und Zitate zum Reisen“

Kennt noch jemand ein schönes Reisegedicht?

2 Gedanken zu „Sechs lustige Reisegedichte“

  1. Eine sehr schöne Zusammenstellung.

    Das Gedicht von Heinz Erhardt kannte ich schon – ich liebe es! -, aber mit den zwei anderen hast du mir heute eine echte Freude gemacht.

    Besonders beim Gedicht von Eugen Roth habe ich nach fast jeder Zeile geschmunzelt und gedacht: „Ja, genau so ist es.“

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