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Es begann in Babel – Geschichte der Ethnologie von Babel bis heute – Herbert Wendt – 1961

Polynesische Tätowierkunst, Pazifik

Polynesische Tätowierkunst, Pazifik

Der Turmbau zu Babel „Wohlauf, lasst uns herniederfahren und dort ihre Sprache verwirren, dass keiner des andern Sprache verstehe! So zerstreute sie der Herr von dort in alle Länder, dass sie aufhören mussten, die Stadt zu bauen. Daher heißt ihr Name Babel, weil der Herr daselbst verwirrt hat aller Länder Sprache und sie von dort zerstreut hat in alle Länder.“  Gen 11, 7-9

Sumer und Babel – Anfang der Schrift

Eines ist sicher, unterschiedliche Sprachen und Völker gab es bereits lange bevor der Turm zu Babel in Babylon gebaut wurde. Bei dem betreffenden Gebäude handelte es sich um einen sogenannten Zikurat, der auf sumerisch „Etemenanki“ genannt wurde. Er existierte bereits 2000 v. Chr. bis er 689 v. Chr. durch den Assyrerkönig Sanherib, gleichzeitig mit der gesamten Stadt Babylon, vollständig zerstört wurde.

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Tatsächlich begann im Reich der Sumerer etwas anderes.
Aus der sumerischen Hauptstadt Ur stammen die ersten überlieferten, schriftlichen Aufzeichnungen, deren Bedeutung auch entschlüsselt werden konnte. Sie wurden vor 5500 Jahren mittels Keilschrift in Tontafeln geritzt und enthalten die ältesten Nennungen anderer Völker.

In Sumer also beginnt die Geschichte der Ethnologie und das ist auch die Thematik des Buches “Es begann in Babel“ von Herbert Wendt.

Und weil die Geschichte der Erforschung der Völker auch in direktem Zusammenhang zur Menschheitsgeschichte steht, lässt Wendt am Anfang seines Buches den griechischen Forschungsreisenden und Schriftsteller Herodot zu Wort kommen. Herodot hatte im 5. Jhd. v. Chr. einen großen Teil der bis dahin bekannten Welt bereist  und seine Beobachtungen und die Erzählungen der lokalen Zeitgenossen aufgezeichnet.

Herodot selber wäre ein eigener Artikel in diesem Blog angemessen und wird bei Gelegenheit auch folgen. Hier rechts gibt es aber trotzdem schon einmal ein Link auf dieses älteste Geschichtswerk der Menschheit.

Herodot – heute wäre er wohl Reiseblogger

Herodots Weltbild war noch ziemlich eingeschränkt, was die unten aufgeführte Landkarte darstellt.Der Mittelmeerraum rund um Griechenland und die unmittelbar angrenzenden Länder waren natürlich bekannt.
Je weiter man sich aber vom Zentrum der Karte entfernt desto verschwommener wurden die Kenntnisse und desto stärker traten phantastische Vorstellungen von Fabelwesen, wie Zentauren und Amazonen auf den Plan. Herodot war ein nüchtern denkender Mensch.

Das Weltbild zur Zeit Herodots – Quelle: Wikipedia

Der antike Weltenbummler erblickte das Licht der Welt um 490 v. Chr. in Helikarnassos, dem heutigen Bodrum in der Türkei. Sein Lebensweg führte ihn nach Griechenland, Italien, Karthago.
Er bereiste Ägypten nilaufwärts.
Im persischen Reich gelangte er nach Babylon und beschrieb den durch Nebukadnezar wiederaufgebauten Zikkurat.

Skythischer Schmuck aus der Zeit Herodots – Es begann in Babel – Herbert Wendt

Er besuchte die Skythen und gelangte bis ans schwarze Meer.

Seine Aufzeichnungen, die er gerne auch mit Anekdoten auffrischte, sind für Historiker und Ethnologen Quellenmaterial von unschätzbarem Wert.

Daneben ist Herodot aber auch als „Vater der Geschichtsschreibung“ selbst in die Geschichte eingegangen.

Denn in seinem einzigen überlieferten Werk, den „Historien“ beschreibt er detailliert die Perserkriege gegen Griechenland, die in der Schlacht bei Marathon und der Seeschlacht bei Salamis gipfelten und den Persern empfindliche Niederlagen einbrachten.

Herodot verfasste seine Bücher in Form kurzer Vorträge, die er seinem Publikum vortrug. Erst später wurden diese Einzelvorträge zu den 9 Büchern zusammengefasst. Hätte Herodot schon die Möglichkeiten des Internet besessen, hätte er sich vermutlich als erster Reiseblogger der Weltgeschichte einen Namen gemacht.

Hofdamen – Kreta – Es begann in Babel – Herbert Wendt

 

Von Babel aus, einmal quer durch die Antike

Aber zurück zu Wendt’s Buch „Es begann in Babel“ –  denn darum geht es ja in diesem Artikel.

Neben Herodot lässt Wendt auch andere antike Autoren zu Wort kommen, die teilweise aus eigener Anschauung, teilweise durch Quellenforschung anderer Autoren, Werke zur Geschichte, Geographie oder Völkerkunde hinterlassen haben.

Dazu zählen Strabon, Plinius oder Megasthenes, der um 302 v. Chr. als Gesandter an den Hof Chandraguptas in Indien gelangte und der die ersten zuverlässigen Berichte über Indien hinterlassen hat. Von seinem vier-bändigen Werk Indica sind leider nur Fragmente erhalten geblieben.

Abbildung verschiedener Menschentypen – Ägypten – Es begann in Babel – Herbert Wendt

 

Megasthenes und Indica – erster Kontakt mit Indien

Von Megasthenes stammen unter anderem die erste Beschreibung des indischen Kastenwesens und eine Völkerliste mit 118 Namen.

Indica und andere Bücher, die sich mit Megasthenes beschäftigen sind rar und zumeist nur auf englisch oder gleich nur im griechischen Original erhältlich.

Langsam bewegt sich „Es begann in Babel“ durch die Zeitgeschichte und richtet dabei den Augenmerk auf die immer weiter fortschreitende geographische Grenze des Unbekannten. Die weißen Flecken auf den Landkarten werden weniger, sind aber noch lange nicht verschwunden.
Im Frühmittelalter ging vieles Wissen, das in der Antike gesammelt wurde wieder verloren. Mit dem Islam schob sich ein Riegel zwischen das Abendland und Asien. Für mehrere hundert Jahre sind es die arabischen Geographen, wie Ibn Battuta, die ihre Entdeckungen publizieren.

Kunstgegenstände aus Benin – Es begann in Babel – Herbert Wendt

Erst Marco Polo, der über Land bis nach China reiste und dort zu Amt und Würden aufstieg, brachte wieder neue Kunde aus der Ferne.

Entdeckung der neuen Welten und Beginn des trans-atlantischen Sklavenhandels

Dann, kurz bevor die Neuzeit einsetzte, begannen portugiesische Schiffe die afrikanische Küste zu erkunden.

Und geleichzeitig mit der Entdeckung der neuen Welt Amerikas begann ein neues, düsteres Kapitel der Menschheitsgeschichte.

Die Zeit des Sklavenhandels im großen Stil hatte begonnen. Tausende von Menschen wurden ihrer afrikanischen Heimat entrissen und nach Amerika verkauft.

Tamtam – Guinea – Es begann in Babel – Herbert Wendt

An dieser Stelle sei auf das Volk der Yoruba verwiesen, von denen Wendt berichtet. Yoruba leben noch heute an der Elfenbeinküste.

Hier entstand eines der ersten innerafrikanischen Königreiche. Die Menschen kannten die Webkunst, Töpferei und Metallguss. Zahlreiche Mitglieder dieser Ethnie wurden gefangen und in die Sklaverei verkauft.

In der neuen Welt konnten sie einen Teil ihrer Kultur erhalten. Makumba und Voodoo-Kulte gehen auf die Yoruba zurück.

Ein interessanter, aber weitgehend ungesicherter Aspekt, ist die Theorie einer Herkunft der Yoruba aus Mesopotamien.

Hier der Link zu einem Dokument, welches diese Theorie zu untermauern sucht und die Yoruba gar als verlorenen Stamm Israels bezeichnet.

Ainu – Hokaido – Japan – Es begann in Babel – Herbert Wendt

 

Sibir und die Kosaken

Zeitgleich zur Kolonisierung der neuen Welt, wurde weitgehend unbeachtet von der Geschichtsschreibung ein anderer Erdteil erforscht und erobert. Das Reich Sibir, ein Überbleibsel der großen Mongolenreiche, wurde regiert von dem usbekischen Khan Kutschum. Die Stroganows, eine Handelsdynastie, die in unmittelbarer Nähe am Ural ein Wirtschaftsimperium aufgebaut hatte und einen lukrativen Handel mit dem Reich östlich des Urals betrieb, beauftragten den bisher als Räuber in Erscheinung getretenen Kosaken Jermak Timofejewitsch, damit das Reich Sibir zu erobern, was dieser in den Jahren 1581 bis 1584 auch erreichte. Damit waren die Tore nach Sibirien für Rußland geöffnet. Es dauerte allerdings noch fast 150 Jahre, bis die ersten ernst zu nehmenden, staatlich beauftragten Expeditionen das Land bereisten. Bering, nach dem die von ihm entdeckte Beringstrasse benannt wurde, sei hier genannt.

Tätowierungen der Südsee – Es begann in Babel – Herbert Wendt

 

Die Kolonialzeit

Durch die Geschichte der neuzeitlichen Entdeckungen führt das Buch weiter zur britischen, französischen und holländischen Kolonialgeschichte. Papua-Neuguina, Australien, Neuseeland , Tasmanien – Bougainville, Rousseau, Cook und viele andere Namen werden aufgeführt. Spezielle Kapitel widmet Wendt der Ausrottung der Feuerländer und Tasmanier. Letztere, die Ureinwohner Tasmaniens, wurden binnen weniger Jahre vollständig von den britischen Kolonisten ausgerottet. Bei den Tasmaniern hatte es sich vermutlich um die älteste Menschenrasse des Planeten gehandelt, Überbleibsel einer Bevölkerungswelle, die noch vor den heutigen Ureinwohnern Australiens den Kontinent besiedelt hatten. Noch vollständig auf der Stufe der Steinzeit lebend, hatten diese Leute keine Chance den britischen Treibjagden zu entgehen.

Pygmäen und Negritos – Es begann in Babel – Herbert Wendt

 

Pygmäen und andere „Wunderwelten“

Weitere Kapitel sind den Zwergvölkern der Welt gewidmet, den Pygmäen, Buschmännern und Negritos,  die nach wie vor ein Rätsel für die Wissenschaften darstellen. Das Buch ist neu nicht mehr zu erhalten. Die meiner Meinung nach schönste Ausgabe ist um 1961 bei der deutschen Buchgemeinschaft erschienen. Das Buch enthält 227 Abbildungen und 81 Kunstdrucktafeln. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis rundet das Werk ab. Wortwahl und Sprache des Buches entsprechen den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Hier kann man es bei Amazon beziehen. Herbert Wendt (1914 – 1979) war Herausgeber von Grzimek’s Tierleben und Kindler’s Enzyklopädie Der Mensch. Darüber hinaus hat er selber zahlreiche Werke aus dem Bereich Zoologie und Anthropologie verfasst. Hier ist eine Liste seiner Werke:

Wendt zeichnete verantwortlich für die nachfolgend genannten Bände in Kindlers Enzyklopädie Der Mensch:

Es begann in Babel – Herbert Wendt – Geschichte der Ethnologie

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