Indienfahrt – Waldemar Bonsels

 

Indienfahrt – Waldemar Bonsels – Sexismus

Nein, es geht nicht wirklich um Sexismus in diesem Artikel.  Aber mindestens sieben mal muss das Wort Sexismus in meiner Besprechung der Indienfahrt von Waldemar Bonsels auftauchen, hat mein Business-Berater gesagt! Das dient dazu beim Google-Ranking weiter nach vorne zu rutschen und mehr Hits zu bekommen…ok, schauen wir mal, ich bin ein gehorsamer Adept…

Bonsels und Sexismus ?

Ja, Du wunderst Dich zu Recht… es war mir klar, dass Du sofort erkennst, dass Bonsels nicht nur „Indienfahrt“ geschrieben hat, sondern auch der hochgeschätzte und weltberühmte Autor des Bestsellers „Die Biene Maja“ ist…

   

…ich gebe zu, auf den ersten Blick ist es nicht ganz einsichtig hier einen Sexismus-Bezug herzustellen…

1-Waldemar Bonsels - Indienfahrt
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Aber nur auf den ersten Blick – denn betrachtet man Bonsels persönliche Geschichte geht es ganz einfach:

Denn „Indienfahrt“ und „Die Biene Maja“ sind nahezu die einzigen Bücher von Bonsels, die im dritten Reich nicht! den nationalsozialistischen Bücherverbrennungen zum Opfer fielen. Alle anderen Bücher Bonsels wurden vom Studentenbund der NSDAP als zu sexistisch eingestuft und den Flammen übergeben. Wie der eindeutige Sexismus, der einem aus den „Biene Maja“ – Büchern entgegenspringt, den braun-prüden Saubermännern und -frauen entgehen konnte, ist mir ein Rätsel…vermutlich konnten sich etliche der braunen Gesellschaft vor allem mit Willie – der etwas doofen und  leider auch impotenten Drohne identifizieren..

Biene –> Blüte –> Bestäuben –> Na fällt der Groschen ??

Indienfahrt“ auf jeden Fall entging dem Vorwurf des „Sexismus„.

Zum Buch:

In „Indienfahrt“ schildert Bonsels seinen Aufenthalt in Indien 1903/04. In seinem typischen neuromantischen Stil, teils humorvoll, teil satirisch, gespickt mit Zynismus beschreibt Bonsels seine Reise entlang der südindischen Malabarküste – auch Pfefferküste genannt – in der Provinz Malabar.

Ausgehend von Cananore (Kannur in Kerala) reist Bonsels zusammen mit seinen indischen Begleitern, dem Hund Elias aber ohne den Affen Huc zunächst auf Ochsenkarren, schliesslich per Kanu bis nach Mangalore in der Provinz Karnataka.

Die Landschaft die er beschreibt ist feucht-heisses, tropisches Sumpfland, mit einer ursprünglichen Bevölkerung, die sich ihren Lebenunterhalt mit dem Sammeln von Pefferkörnern verdient.

Auf Ortsnamen und die Beschreibung von Sehenswürdigkeiten verzichtet Bonsels überwiegend. Stattdessen schildert er die Landschaft und ihre Menschen impressionistisch, bunt und grosszügig. Wenn Orte erwähnt werden dann leider in vermutlich eingedeutschter Form, wie etwa Bitschapur, bei dem es mir nicht gelungen ist einen heute gebräuchlichen indischen Ortsnamen zuzuordnen.

Als ich Bitschapur sah, lag die Stadt voll Toter. Wir kamen in der Morgenfrühe auf Pferden an, ohne Kunde davon erhalten zu haben, daß die Pest in so furchtbarer Weise in der Stadt wütete. Als wir nahe vor den Toren waren, wies mein Begleiter auf die Hügel im Umkreis der Stadt, die mit Zelten bedeckt waren, und riet zur Umkehr, aber es bot sich uns keine Möglichkeit dazu, da es uns an Wasser und Nahrung gebrach.

Die Lager auf den Höhen unterrichteten uns darüber, daß die Bewohner aus der Stadt geflüchtet waren, und so fanden wir nur Tote im Bereich der herrlichen Ruinen. Die Pferde zitterten, als uns der erste, widerlich süße Hauch der Verwesung entgegenschlug, und Wolken von Aasgeiern erhoben sich träge mit häßlichem Geschrei bei jeder Straßenbiegung. Die Leichen lagen in den offenen Türen und auf den Gassen, aus leeren Augenhöhlen und geschwärzten Angesichtern starrte der Tod uns an, und die Hufe unserer Tiere verwickelten sich in den faulenden Schläuchen der menschlichen Eingeweide, die die Geier weit über die Wege gezerrt hatten.

Die unbarmherzige Sonne spiegelte im Marmor, ihren stillen Liebeszorn bewegte kein Lufthauch, ein paar vergessene Ziegen irrten durch die furchtbare Todesöde und den gigantischen Prunk der Vergangenheit. Es war eine Hungersnot vorangegangen. Heute noch sehe ich die mageren, dunkeln Menschenkörper, geschwärzt vom Gift der Verwesung, gegen weiße Mauern gelehnt, über Steintreppen geworfen, oder am rötlichen Boden. Zwei Kinder, die einander umschlungen hielten, schienen am Rand eines Tempelteichs eingeschlafen zu sein, die Lage ihrer zärtlichen Gestalten verriet weder Angst noch Schmerzen, aber die Augen fehlten, und in geschäftigem, frohem Eifer bohrte ein grauer Geier seinen Schnabel unter die Stirnen, so daß die Köpfchen schaukelten. Als ich mich näherte, hob der Vogel den kahlen Kopf mit dem harten Schnabel, und seine gelben Augen sahen mich räuberisch an, als ob er Verwunderung darüber empfände, daß ein aufrechter, lebender Mensch sein Totenreich betrat.

Tragische und erheiternde Erlebnisse wechseln sich ab. Auch Begegnungen mit der britischen Besatzungsmacht bleiben nicht aus.

Insgesamt öffnet sich dem Leser ein Schaufenster in ein ursprüngliches, exotisches Indien, voller Mystik und Magie, wie es sich dem Reisenden noch zu Anfang des vergangenen Jahrhunderts präsentiert hat.

Nicht nur die Biene Maya, auch andere Insekten faszinierten Bonsels, wie uns diese kurze Textstelle verrät:

„…..Mein Korkhelm drückte mich auch keineswegs sonderlich, im Gegenteil, er wurde von Tag zu Tag leichter, weil eine Schar mottenartiger Parasiten von ihm Besitz ergriffen hatten und ihn zugleich bebauten und verzehrten.

Bisweilen rieselte ein feines Korkmehl nieder, wie ein liebevoller Beweis der Natur, daß sie keinen Menschen in völliger Vereinsamung seinen Weg machen läßt. Panja war bereits mit allerlei Mitteln gegen diese Tiere ins Feld gezogen, aber sie verließen sich auf mich und vermehrten sich um so leidenschaftlicher, je mehr Panja sie unterdrückte…“

Bonsels wurde 1880 geboren und ist 1952 gestorben. Eine ausführliche Biographie findet sich bei Wikipedia. Dort werden auch Bonsels teilweise verwirrenden Verstrickungen im 3. Reich behandelt.

„Indienfahrt“ kann kostenlos als eBook beim Projekt Gutenberg bezogen werden….

…oder gebraucht bei Amazon.

Und das Wort Sexismus kam jetzt genau sieben mal in diesem Artikel vor !!!!

6 Gedanken zu „Indienfahrt – Waldemar Bonsels“

  1. Hallo,
    interessanter Artikel und so schön mit aktuellen Bezug…;-)
    Suche momentan Material über dieses Buch, da ich eine Hausarbeit schreibe.
    Kleine Verbesserung:
    Die Biene Willi kommt erst in der TV Serie dazu und noch nicht im Buch.
    Der Affe Huc bleibt in Cananore und begibt sich nicht auf die Reise.

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