Winter – Fünf lustige Gedichte

Draußen schneit es unablässig. Vier Meter Schnee sind über Nacht gefallen! Nein, natürlich nicht hier. Irgendwo in den Alpen soll es gewesen sein. Hier am milden Oberrhein hat man schon vor Jahren vergessen was Frost ist.

Trotzdem oder gerade deshalb stelle ich hier mal ein paar nette und auch lustige Wintergedichte meiner Lieblingsdichter zusammen.  

Alle meine Artikel mit Sprüchen und Gedichten findest du hier: Sprüche und Gedichte

Winterlandschaft bei Moosbronn im Schwarzwald
Winterlandschaft bei Moosbronn im Schwarzwald

Der Mathematiker (Heinz Erhardt, 1909 – 1979)

Es war sehr kalt, der Winter dräute,
da trat – und außerdem war´s glatt –
Professor Wurzel aus dem Hause,
weil er was einzukaufen hat.

Kaum tat er seine ersten Schritte,
als ihn das Gleichgewicht verließ,
er rutschte aus und fiel und brach sich
die Beine und noch das und dies.

Jetzt liegt er nun, völlig gebrochen,
im Krankenhaus in Gips und spricht:
„Ich rechnete schon oft mit Brüchen,
mit solchen Brüchen aber nicht!“

Stille Winterstraße (Joachim Ringelnatz, 1883 – 1934)

Es heben sich vernebelt braun
Die Berge aus dem klaren Weiß,
Und aus dem Weiß ragt braun ein Zaun,
Steht eine Stange wie ein Steiß.
Ein Rabe fliegt, so schwarz und scharf,
Wie ihn kein Maler malen darf,
Wenn er’s nicht etwas kann.
Ich stapfe einsam durch den Schnee.
Vielleicht steht links im Busch ein Reh
Und denkt: Dort geht ein Mann.

Immer wieder (Wilhelm Busch, 1832 – 1908)

Der Winter ging, der Sommer kam.
Er bringt aufs neue wieder
Den vielbeliebten Wunderkram
Der Blumen und der Lieder.

Wie das so wechselt Jahr um Jahr,
Betracht ich fast mit Sorgen.
Was lebte, starb, was ist, es war,
Und heute wird zu morgen.

Stets muß die Bildnerin Natur
Den alten Ton benützen
In Haus und Garten, Wald und Flur
Zu ihren neuen Skizzen.

Winteranfang (Heinz Erhardt, 1909 – 1979)

Verblüht sind Dahlien und Ginster,
die Rechnung steigt für Öl und Licht.
Die Nächte werden wieder finster.
Der Tag nimmt ab. Die Oma nicht.

Sommeranfang (Heinz Erhardt, 1909 – 1979)

Mit Frischem füllen sich die Keller.
Es sinkt der Öl- und Lichtverbrauch.
Die Nächte werden wieder heller.
Der Tag nimmt zu. Die Oma auch.

Eiskristalle

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